Infobrief  Haiku–Steg   2 / 2008  (April)

 

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,  

 

im Frühjahr 2008 wird der Haiku-Steg um neue Beiträge ergänzt:

 

http://haiku-steg.de

 

In der Haiku-Dichtung wird häufig ein kireji oder Schneidewort verwendet. Kyorai (1651-1704), einer der Bashô-Schüler aus dem Shômon-Kreis, notierte, was ihn sein Meister zu der Frage lehrte: Bis an die Schwelle des Geheimnisses.

 

Von August 2007 bis April 2008 erschienen im „Taubenschlag“ mehrere Teile eines Beitrags zum sogenannten Muki Haiku – Haiku ohne Jahreszeitenwörter. Es wurden Beispiele aus einem im Juni 2004 erschienenen Saijiki (Jahreszeitenwörterbuch) vorgestellt, zu dem erstmals ein Band gehört, in dem Haiku ohne Jahreszeitenwörter präsentiert werden, die auf neuartige Weise kategorisiert wurden. Die zusammengefassten Beiträge des Übersetzer-Teams um Prof. Richard Gilbert von der Universität Kumamoto wurden auch in der Märzausgabe von Sommergras, der Vierteljahresschrift der Deutschen Haiku-Gesellschaft, veröffent-licht und stehen nun ebenfalls auf dem Haiku-Steg zur Verfügung.

 

Während eines Interviews mit dem japanischen Autor Itô Yûki über seine Monographie zu den Verfolgungen japanischer Haiku-Dichter in der Kriegszeit, antwortete dieser auf eine Frage so ausführlich, dass die Veröffentlichung den Rahmen des Interviews gesprengt hätte: Frühe Entwicklungen in der Haiku-Dichtung ist der Titel eines zweiteiligen Essays mit Anhang, in dem Itô Yûki erneut lesenswerte Informationen zur Haiku-Geschichte liefert. In deren Licht treten auch die Intentionen und Ansichten des Erfinders des „traditionellen Haiku“ (dentô haiku), Takahama Kyoshi, der für die Verfolgungen verantwortlich war, deutlicher zu Tage. 

 

Wie das von Itô Yûki dargestellte dunkle Kapitel der japanischen Haiku-Geschichte einzuschätzen ist und welche Lehren man heute daraus ziehen kann, davon handelt mein Essay Lange Schatten. Anmerkungen zu Geschichte und Gegenwart der Haiku-Dichtung. (Udo Wenzel)

 

Kürze kultivieren! empfiehlt der Haiku-Dichter Masaya Saitô. Ab 15. April wird das Interview mit dem Übersetzer der Werke von Saitô Sanki (ein „Klassiker“ des modernen japanischen Haiku) im Online-Magazin Chrysanthemum erscheinen. Zum selben Zeitpunkt wird es auch im Haiku-Steg zum Download bereit stehen.

 

Noch in Arbeit befindet sich die Übersetzung eines Beitrags von Frau Prof. Emiko Ohnuki-Tierney von der Universität Wisconsin. Prof. Ohnuki-Tierney hat in den letzten Jahren mehrere Artikel und Bücher über die Militarisierung der japanischen Ästhetik während des Ultranationalismus und den Missbrauch des Symbols der Kirschblüte zu militärischen Zwecken veröffentlicht. Anfang Mai wird der Artikel mit dem Arbeitstitel Die verkannten Kamikaze. Vom Missbrauch der Ästhetik vermutlich online gehen. 

 

Aufmerksam machen möchte ich noch auf Neuerungen auf der Website des Gendai-Haiku: Von Hasegawa Kai liegt ab sofort Teil eins des Interviews „Haiku Kosmos 1: „Bashôs „alter Teich“: Realismus und ‚Ramsch-Haiku’“ ungekürzt vor. (siehe: http://www.gendaihaiku.com/german/hasegawa/index.html). Der japanische Haiku-Dichter interpretiert Bashôs berühmtes Frosch-Haiku neu. Ins Deutsche übersetzt wurden inzwischen auch die Haiku von Uda Kiyoki, der Präsidentin der Gendai Haiku Kyokai. http://www.gendaihaiku.com/german/uda/index.html. Ein zweiter Interview-Teil folgt demnächst. Auf der englischen Website (http://www.gendaihaiku.com/) werden seit kurzem zwei in Japan angesehene Senryû-Dichterinnen der Gegenwart (Ônishi Yasuyo und Yagi Mikayo) vorgestellt. Die noch nicht übersetzten Seiten werden wohl ebenfalls im Monat Mai komplett auf Deutsch vorliegen.

 

Außerdem einige Neuerungen auf der Haiku-Seite, der Gedichte-Seite, eine Neufassung einer älteren Sequenz auf der Sequenzen-Seite, eine Prosaskizze auf der Prosa-Seite und Osterimpressionen in der Galerie.   

 

Angenehme Frühlingstage

wünscht Ihnen

Udo Wenzel