
Infobrief Haiku–Steg 4 / 2008 (Oktober)
im Herbst 2008 wurde der Haiku-Steg um neue Beiträge ergänzt:
In seinem Artikel Wie klingt die Reise? stellt der Japanologe Dr. Robert F. Wittkamp einige Haiku des japanischen Dichters Taneda Santôka (1882-1940) vor und geht dabei insbesondere auf Übersetzungsprobleme ein, die sich aus der Verwendung von lautmalerischen Mitteln, einer Semantisierung der Ausdrucksebene und Türangelwörtern ergeben.
1991 veröffentlichte der japanische Literaturwissenschaftler Kôji Kawamoto Nihon shiika no dentô, das im Jahr 2000 unter dem Titel The Poetics of Japanese Language ins Englische übersetzt wurde. Diese mit wichtigen japanischen „Literaturpreisen ausgezeichnete Studie stellt einen zugleich grundlegenden wie innovativen Beitrag zum Verständnis der japanischen Dichtung dar“ (Robert F. Wittkamp in einer Rezension des Buches). In dem ins Deutsche übersetzten Kapitel „Die konkrete Bildhaftigkeit des Haiku“ finden sich wichtige Impulse zum Verständnis des shasei-Stils und des Realismus in der Haiku-Dichtung.
Um das Jahr 1910 entstand in Japan ein Boom an kleinformatigen künstlerischen Werken, insbesondere auch in der Prosa. Udo Wenzel stellt in seiner Rezension Spektrum Shôhin eine umfassende Studie dieses Phänomens vor: das 2006 im iudicium Verlag erschienene „Petitessen. Pretiosen. Die japanische Prosaminiatur um 1910“ von Agnes Fink-von Hoff. Die Besprechung legt den Schwerpunkt auf Prosa, die im Geiste des shasei und haibun verfasst wurde.
Das bereits im Juli 2008 erstmals veröffentlichte Essay Wie es wird von Udo Wenzel, in dem er ein nicht-essentialistisches Haiku-Verständnis vorschlägt, liegt in einer veränderten Fassung vor.
Udo Wenzel